Früh anfangen – aber es ist nie zu spät
Wir planen Ausbildung, Beruf, Familie und Urlaube oft bis ins Detail, aber zu selten die eigene Pension. Voraussetzung dafür sind Grundkenntnisse in Finanzbildung. Deshalb sollte diese in jeder Schule früh im Lehrplan verankert werden. Junge Menschen müssen verstehen, wie unser Pensionssystem funktioniert, was Beitragsjahre bedeuten und wie sich Teilzeit oder längere Unterbrechungen auf die Pension auswirken. Wer früh beginnt, kann auch mit kleinen Schritten viel bewirken. Aber: Es ist nie zu spät.
Eigenverantwortung beginnt mit dem Wissen über die eigene Pension
Der erste Schritt ist, sich mit dem Pensionssystem, der eigenen finanziellen Situation und den Möglichkeiten der privaten oder betrieblichen Vorsorge zu beschäftigen. Unser Pensionssystem beruht auf dem Versicherungsprinzip: Wer länger und mehr einzahlt, bekommt eine höhere Pension. Je früher man sich damit beschäftigt, desto besser kann man seine Pension planen. Es gibt viele Möglichkeiten, zusätzlich zur staatlichen Pension privat vorzusorgen. Eigenverantwortung spielt eine große Rolle.
Auch die Politik muss handeln
Aber auch die Politik trägt Verantwortung. Die Bundesregierung plant im Herbst die Beschlussfassung zum Ausbau der betrieblichen und privaten Vorsorge – also der zweiten und dritten Säule. Das halte ich für sehr wichtig.
Teilzeit kann später teuer werden
Häufig werden die Folgen von Teilzeit und Erwerbsunterbrechungen unterschätzt. Teilzeit sollte der Überbrückung bei Familienbetreuung dienen und nicht zum Lebensmodell werden. Laut Statistik Austria sind aktuell 257.000 Menschen freiwillig – ohne Betreuungsbedarf – in Teilzeit, obwohl sie Vollzeit arbeiten könnten. Das ist ein Problem: Halbe Arbeit bedeutet auf Dauer halbe Pension. Oft wird das erst kurz vor dem Pensionsantritt sichtbar – dann ist es für Korrekturen zu spät.
Vorsorge heißt auch: gesund bleiben
Unterschätzt wird auch die gesundheitliche Vorsorge. Es geht nicht nur darum, wie lange wir leben, sondern vor allem darum, wie gesund und unabhängig wir diese Jahre verbringen können.
Wer für die Familie zurücksteckt, darf nicht bei der Pension verlieren
Viele Entscheidungen mit Auswirkungen auf die spätere Pension werden innerhalb der Familie getroffen – etwa wer wegen der Kinder weniger arbeitet oder Angehörige pflegt. Deshalb müssen auch die finanziellen Folgen besprochen und fair ausgeglichen werden.
Pensionssplitting neu denken
Dazu gehört das Pensionssplitting. Nachdem das freiwillige Splitting nicht gut angenommen wird, bin ich für ein „Opt-out“-Splitting: Nur wenn ein Partner es ausdrücklich ablehnt, sollte darauf verzichtet werden können. Das wäre eine Verbesserung zugunsten jenes Partners, der für die Familie beruflich zurücksteckt – und das ist nach wie vor meistens die Frau.
Die Menschen brauchen Vertrauen in ihre Pension
Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass sich ihre Beiträge und ihre Lebensleistung in der Pension widerspiegeln. Dafür brauchen wir ein stabiles, nachvollziehbares und verlässliches Pensionssystem und eine ehrliche Diskussion über seine langfristige Absicherung.
KI verändert die Arbeitswelt – und damit auch die Pension
Die Lebens- und Arbeitswelten werden sich in den nächsten 20 bis 30 Jahren durch Digitalisierung und KI stark verändern. Das Berufsleben wird flexibler. Deshalb muss sich auch das Pensionssystem anpassen. Wir brauchen neue Lösungen für neue Herausforderungen und eine breite Diskussion – frei von Ideologie und eingefahrenen Modellen.
Wer einzahlt, muss sich auf die Regeln verlassen können
Eine Voraussetzung ist für mich besonders wichtig: Vertrauensschutz von mindestens 15 bis 20 Jahren. Wer heute oder morgen in Pension geht, muss darauf vertrauen können, dass das Pensionssystem hält, in das er eingezahlt hat.
Gleichzeitig ist Eigenverantwortung gefragt. Nicht jeder kann große Beträge zurücklegen. Aber jeder sollte seine Situation kennen, das Pensionskonto regelmäßig prüfen und vorhandene Möglichkeiten nutzen. Die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen: mehr Finanzbildung, eine starke gesetzliche Pension und bessere betriebliche und private Vorsorgemöglichkeiten.
Vorsorge bedeutet Selbstbestimmung
Denn gute Vorsorge bedeutet: später möglichst selbstbestimmt leben zu können. Und dafür ist es nie zu spät



