1. September 2026

Hitzeschutz statt Hitzeschock: Wohnungen müssen auch im Sommer Schutz bieten

Hitzeschutz statt Hitzeschock! Messungen in zwölf Wohnungen zeigen: Hitze kann für ältere Menschen zur ernsthaften Gesundheitsbelastung werden. Kühlen muss genauso selbstverständlich sein wie Heizen. Dafür sind rasch konkrete Maßnahmen nötig.

Ingrid Korosec

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes, Abgeordnete zum Wr. Landtag, Volksanwältin a.D.

Die Ergebnisse der aktuellen Hitze-Messungen in Wiener Wohnungen sind alarmierend. Gemeinsam mit Greenpeace, dem Österreichischen Seniorenrat und der Universität für Bodenkultur Wien wurden über mehrere Wochen die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit in zwölf Wohnungen von Seniorinnen und Senioren gemessen.

Das Ergebnis ist schlecht: Wohnungen werden im Sommer teilweise so heiß, dass die Gesundheit darunter leidet.

In allen zwölf untersuchten Wohnungen wurden an mindestens 14 Tagen Temperaturen von über 27 Grad gemessen. In der heißesten Wohnung war diese gesundheitliche Belastungsgrenze sogar an 60 von 61 Messtagen überschritten. In sieben Wohnungen stieg die Temperatur an mindestens neun Tagen auf über 30 Grad. Besonders besorgniserregend ist, dass sich die Wohnungen auch nachts häufig nicht ausreichend abkühlten. Die Hälfte der Wohnungen kühlte an mindestens 25 Tagen nicht unter 27 Grad.

Die Folgen für die Betroffenen waren spürbar. Über körperliche Erschöpfung, schwere Kreislaufprobleme und schlaflose Nächte wurde berichtet. Gerade für ältere Menschen kann anhaltende Hitze zu einer ernsthaften gesundheitlichen Belastung werden.

Hitze ist keine Ausnahme mehr

Wir müssen zur Kenntnis nehmen: Hitze ist längst kein Ausnahmeereignis mehr. Die Klimakrise führt zu immer mehr Hitzetagen und Tropennächten. Besonders Wohnungen in schlecht gedämmten Altbauten und ohne wirksamen außenliegenden Sonnenschutz heizen sich stark auf.

Eine Wohnung muss aber Schutz bieten – im Winter genauso wie im Sommer.

Deshalb setze ich mich dafür ein, dass beim Hitzeschutz politisch rasch und unbürokratisch gehandelt wird. Der Ministerratsbeschluss vom 5. August zur Vereinfachung von Hitzeschutzmaßnahmen ist ein wichtiger Schritt. Jetzt müssen konkrete Maßnahmen folgen.

Kühlen muss genauso selbstverständlich sein wie Heizen

Mein Ziel ist klar: Das Kühlen im Sommer muss rechtlich genauso abgesichert sein wie das Heizen im Winter.

Dafür müssen noch heuer entsprechende Gesetze beschlossen werden, um für die nächsten Hitzewellen gerüstet zu sein. Nötig sind verbindliche und österreichweit einheitliche Hitzeaktionspläne und Hitzeschutzstandards. Es muss auch dafür gesorgt werden, dass ältere Menschen rasch und unkompliziert wirksame Schutzmaßnahmen umsetzen können.

Dazu gehören auch leistbare Klimageräte und entsprechende Förderungen. Wer heute in Hitzeschutz investiert, schützt morgen Menschenleben.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass spätestens bis zum nächsten Sommer konkrete Verbesserungen bei den Menschen ankommen – möglichst unbürokratisch und mit besonderem Augenmerk auf ältere Menschen.

Denn eines ist für mich klar: Hitzeschutz statt Hitzeschock! Wohnungen müssen auch an heißen Sommertagen ein sicherer Ort bleiben.

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