19. Dezember 2025

Einsamkeit im Advent: Warum sie für ältere Menschen besonders schwer wiegt – und was dagegen hilft

Die Wochen vor Weihnachten gelten als Zeit der Wärme, der Begegnungen und der Geborgenheit. Für viele ältere, vor allem alleinlebende Menschen fühlt sich diese Phase aber besonders still an. Wenn überall Lichter brennen, Weihnachtslieder erklingen und Familien zusammenkommen, wird das Gefühl des Alleinseins noch deutlicher spürbar.

Ingrid Korosec

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes, Abgeordnete zum Wr. Landtag, Volksanwältin a.D.

Warum gerade die Weihnachtszeit so belastend sein kann

  • Erinnerungen an vergangene Zeiten: Viele ältere Menschen denken in dieser Zeit an vergangene Weihnachten – an Momente mit Partnern, Familienmitgliedern und/oder Freunden, die nicht mehr da sind. Der Kontrast zwischen damals und heute kann schmerzhaft sein.
  • Weniger soziale Kontakte: Mit zunehmendem Alter schrumpft das soziale Umfeld. Partnerschaft, Freundeskreise oder familiäre Bindungen verändern sich.
  • Eingeschränkte Mobilität: Dunkelheit, Kälte oder gesundheitliche Einschränkungen erschweren es, aus dem Haus zu gehen und Kontakte zu pflegen. Und ein Handy – selbst wenn per Video telefoniert wird – kann direkten sozialen Kontakt nicht ersetzen.
  • Hohe Erwartungen an „Weihnachtsgefühle“: Die gesellschaftliche Vorstellung von der „perfekten“ Weihnachtszeit macht es schwer, eigene Bedürfnisse oder Gefühle von Traurigkeit zu akzeptieren.

Was ältere Menschen selbst tun können

Auch wenn die Situation oft schwer erscheint, gibt es Wege, Einsamkeit aktiv zu begegnen:

1. Kontakte bewusst suchen

  • Auf kleine, regelmäßige Begegnungen setzen: ein kurzer Plausch mit Nachbarn, ein Telefonat mit Bekannten oder das Wiederaufleben alter Kontakte.
  • Viele freuen sich, wenn sie gefragt werden – oft braucht es nur den ersten Schritt.

2. Angebote in der Gemeinde oder im Stadtteil nutzen

  • Seniorencafés, Adventsfeiern, Bastelnachmittage oder gemeinsame Spaziergänge bieten eine angenehme Atmosphäre.
  • In Kirchen und Nachbarschaftszentren gibt es gerade rund um Weihnachten viele Veranstaltungen.

3. Ehrenamtliche Besuchsdienste in Anspruch nehmen

  • Organisationen und lokale Seniorenvereine vermitteln Besuche, Gesprächspartner oder Begleitung für Aktivitäten.

4. Digitale Möglichkeiten nutzen

  • Videotelefonie mit Enkelkindern
  • Online-Gruppen für Hobbys
  • Digitale Stammtische von Gemeinden oder Vereinen

5. Neue Rituale schaffen

Wenn alte Traditionen fehlen, können neue entstehen:

  • Ein besonderer Spaziergang mit Musik
  • Jeden Abend ein kleines, persönliches Adventsritual
  • Ein festliches Essen für sich selbst zubereiten
  • Kleine Projekte wie Schreiben, Basteln oder Backen

6. Gefühle ernst nehmen – und darüber sprechen

Einsamkeit ist nichts, wofür man sich schämen muss. Ein Gespräch mit Angehörigen, Bekannten, Ärzten oder Beratungsstellen kann entlasten und Wege zu weiterer Unterstützung öffnen.

Der Seniorenbund ist für ältere Menschen da. Von den Landesorganisationen gibt es viele Angebote und Aktivitäten – damit niemand allein sein muss. Weder in der Weihnachtszeit noch den Rest des Jahres!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und das Beste für das kommende Jahr!

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